Ein Leben für den Planeten – David Attenborough wird 95

London (dpa) – Könnten sich die Briten ihr Staatsoberhaupt selbst aussuchen, hätte David Attenborough ziemlich gute Karten. Im März landete der englische Dokumentarfilmer in einer YouGov-Umfrage auf Platz zwei der am häufigsten genannten Wunschkandidaten – direkt nach Prinz William und sogar noch vor der Queen.

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David Attenborough, in aller Welt als leidenschaftlicher Naturschützer bekannt, gehört in Großbritannien quasi zum Nationalheiligtum, Regierung wie Royals schmücken sich gern mit seiner Anwesenheit. Am 8. Mai wird der gebürtige Londoner 95 Jahre alt.

Seit mittlerweile sechs Jahrzehnten reist Attenborough für seine Filme, meist für die BBC, an die abgelegensten Winkel der Erde. Mal nimmt er seine Millionen Zuschauer mit in den Dschungel, mal bannt er unbekannte Spezies wie den haarigen Seeteufel zum ersten Mal überhaupt auf Film.

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Seine intensive Auseinandersetzung mit Tieren, Pflanzen und ihrer natürlichen Umgebung sensibilisierten Attenborough über die Jahre dafür, wie sehr das natürliche Gleichgewicht der Erde mittlerweile ins Wanken geraten ist – und machte ihn zu einem hartnäckigen Vorkämpfer gegen den Klimawandel.

Es tut seiner Beliebtheit keinen Abbruch, dass er daher nun meist unbequeme Wahrheiten verkündet: „Es gibt kein Zurück – egal, was wir jetzt tun, es ist zu spät, um den Klimawandel zu verhindern, und die Ärmsten, Verletzlichsten werden mit Sicherheit leiden“, sagte Attenborough kürzlich beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Doch vielleicht ist es der oft persönliche, großväterliche Ton, der dafür sorgt, dass die Menschen ihm trotzdem so gern zuhören. Vor einigen Wochen antwortete er auf den Brief eines Vierjährigen, der ihn darin fragte, ob die Menschheit aussterben werde wie die Dinosaurier. „Die Antwort ist, dass wir das nicht müssen, solange wir vernünftig auf unseren Planeten aufpassen“, antwortete Attenborough.

Auch die heute wohl weltbekannteste Klimaaktivistin, Greta Thunberg, outete sich im Interview mit einem englischen Radiosender als Fan. „Was ich vielleicht am meisten an ihm bewundere, ist, dass er trotz seines Alters offen im Geist geblieben ist und den Mund aufmacht“, sagte Thunberg, die den Briten auch schon persönlich getroffen hat.

In seinen Dokumentationen, die in alle Welt übersetzt und ausgestrahlt werden, stellt Attenborough die Klimakrise und ihre Folgen visuell eindrucksvoll und gleichzeitig verständlich dar. „A Life on Our Planet“ (2020) sahen Schätzungen zufolge mehr als 500 Millionen Menschen, der Film rangierte bei Netflix lange weit oben auf der Liste. In seiner jüngsten Produktion „The Year The Earth Changed“ („Das Jahr, das unsere Erde veränderte“) setzt sich Attenborough mit dem Einfluss der Pandemie auf die Natur auseinander – und hält fest, dass es der Erde ohne den Menschen wohl besser ginge.

Zwischendurch gönnte sich der gelernte Fernsehjournalist eine Auszeit vom Warnen: Die zweiteilige Doku „Life in Colour“ ist vor allem zum Staunen gemacht. Attenborough erkundet seltene Pflanzen und Tiere darin mithilfe neuester Kameratechnologie, die teilweise sogar Farben sichtbar macht, die für das menschliche Auge normalerweise nicht erkennbar sind. Schon seit Jahren experimentierten Attenborough und seine Kameraleute mit Drohnen und spezialisierten Kameras, um die Natur so detailgetreu wie möglich in die Wohnzimmer zu bringen.

Doch um die Natur wirklich wertschätzen zu können, reichen auch die avantgardistischsten Kameras nicht aus. Immer wieder ruft Attenborough seine Zuschauer dazu auf, rauszugehen und sich selbst mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Sein Ratschlag: „Setz dich hin. Beweg dich nicht. Bleib ruhig. Warte 10 Minuten. Es wäre sehr verwunderlich, wenn in 10 Minuten nicht etwas ziemlich Interessantes passieren würde.“

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