
Precht fürchtet, dass mit den immer leereren Städten das Motiv der Bürgerinnen und Bürger verschwinde, sich dort aufzuhalten und andere zu treffen. Die Stadtkultur, die seit den Tagen der antiken Polis die Demokratie und die gemeinsame Öffentlichkeit prägt, drohe zu verschwinden. Was wäre andererseits so schlimm daran, fragt Precht, wenn Innenstädte nicht mehr vom Einzelhandel und von Kaufhäusern dominiert würden? Biete diese Entwicklung nicht auch Möglichkeiten für sozialen und kulturellen Raum? Für eine echte Polis, in der sich die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich mit ihren Angelegenheiten beschäftigen und nicht nur konsumieren?
Burkhard Jung plädiert für ein Ideal der europäischen Stadt, in der Leben, Handel und gesellschaftliches Zusammensein auch in Zukunft ihren Platz haben. Marode Innenstädte seien nicht nur Folge der Verlagerung des Konsums und des sozialen Miteinanders ins digitale Netz, sondern auch Folge der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich. Außer in den attraktiven Metropolen würden kleine und mittlere Städte immer mehr zum Sinnbild einer sozialen Verwahrlosung, so Precht. Burkhard Jung fordert in diesem Zusammenhang, dass die Mietpreise nicht allein dem Markt überlassen werden sollten. Man müsse weiter über einen Mietpreisdeckel nachdenken. Welche Ideen hat Burkhard Jung als Oberbürgermeister von Leipzig und Präsident des Deutschen Städtetages? Wie stellt er sich eine florierende Stadt der Zukunft vor, in der soziales Miteinander, Mobilität und Klimaverträglichkeit gelingen können? Darüber spricht er mit Richard David Precht in der Sendung.
Foto: (c) ZDF / Juliane Eirich
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