Die Aufregung ist groß, seitdem sich Elke Heidenreich im Fernsehen über Grünen-Sprecherin Sarah Lee Heinrich äußerte. Ist die Kritik an der Autorin berechtigt oder überzogen? Die t-online-Leser beziehen Stellung.
Der Talk bei Markus Lanz schlägt noch Tage nach seiner Ausstrahlung hohe Wellen. Der Grund: Als ein Ausschnitt von Sarah Lee Heinrich, Bundessprecherin der Grünen, eingeblendet wurde, in der sie von einer „eklig weißen Mehrheitsgesellschaft“ spricht, schoss Elke Heidenreich scharf gegen die 20-Jährige. Und nicht nur sie, auch die vermeintliche Überempfindlichkeit der jungen Generation im Allgemeinen sowie gendergerechte Sprache bekamen ihr Fett weg. Dass die Frage nach der Herkunft einer Person als rassistisch empfunden werde, stößt bei der 78-Jährigen auf besonders großes Unverständnis.
In einem Leseraufruf fragte t-online, ob die vielfache Kritik, die nach Ausstrahlung der Sendung an Elke Heidenreich geübt wurde, gerechtfertigt sei. Hunderte Zuschriften erreichten uns, die meisten von ihnen finden den Umgang mit ihr unangemessen. Aber auch gegenteilige Meinungen bekam t-online zu lesen. Eine Auswahl:
„Völlig in Ordnung, wenn Heidenreich nach der Herkunft fragt“
t-online-Leser Michael Stompor schreibt: „Wenn Frau Heidenreich den dunkelhäutigen Taxifahrer fragt, wo er denn herkäme (ich frage allerdings eher nach der Familienherkunft), dann finde ich das völlig in Ordnung – solange die Frage nicht im Denken oder gar Reden den Unterton ‚Sie gehören doch gar nicht hierher!‘ hat oder diese Frage das Einzige bleibt, was sie den Mitbürger zu fragen hat und was sie an ihm und seinen Lebensumständen und denen seiner Verwandten interessiert.“
Michael Stompor plädiert dafür, „sich auf die Zurückdrängung des wirklichen Rassismus in diesem Lande und in der Welt zu konzentrieren (den es in Wort, Schrift, Denken und leider sogar im Handeln viel zu viel gibt) und ihn nicht in Äußerungen hinein zu interpretieren, die mit ihm nichts zu tun haben.“
„Frau Heidenreich repräsentiert die Arroganz und Ignoranz“
t-online-Leser Tony findet, dass Elke Heidenreich zurecht kritisiert wird. „Frau Heidenreich outet sich und ihre Denkweise und zeigt, wie wenig sie verstanden hat. Sie wirft der jungen Frau vor, nicht genügend nachzudenken und nicht gleich beleidigt sein, wenn nach der Herkunft gefragt wird. Wie bitte? Ein paar Tage Ägyptenurlaub, in denen man auch mal nach der Herkunft gefragt wird, gleichzusetzen mit dem Erleben im öffentlichen Raum, jede Sekunde des Lebens als anders, woanders herkommend (obwohl in Deutschland geboren), wohl nicht dazugehörig und fremd wahrgenommen zu werden? Das ist kein Urlaub hier!“, äußert er erbost.
Tony erachtet die Frage nach der Herkunft in diesem Kontext als „Teil dieser Diskriminierungskultur. Frau Heidenreich repräsentiert die Arroganz und Ignoranz dieser Mehrheitsgesellschaft. Man möchte ihr raten, etwas mehr nachzudenken.“
„Ich fühle mich von diesem jungen Menschen zutiefst verletzt“
Ein t-online-Leser, der anonym bleiben möchte, schildert: „Ich bin 1944 geboren. Ich weiß, was ‚die eklige, weiße Mehrheitsgesellschaft‘ geschaffen hat, um damals wieder in die Höhe zu kommen. Ich war dabei, Frau Heidenreich hat’s auch erlebt. Sie hat Recht (und in einigem anderen auch): Dieser junge Mensch, aufgewachsen in einer Verwöhngesellschaft, kann sich über ‚die eklige, weiße Mehrheitsgesellschaft‘ kein Urteil erlauben. Ich fühle mich von diesem jungen Menschen zutiefst verletzt. Empört zeigt sich der Leser nicht nur über Sarah Lee Heinrich; auch die Unterstützung, die sie von ihrem Parteikollegen Jürgen Trittin, ebenfalls Talk-Gast, bekam, stößt ihm sauer auf.
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„Kaum ein (weißer) Deutscher kann sich das wirklich vorstellen“
Eine andere Stimme aus unserer Leserschaft vertritt diese Ansicht: „Da macht eine pubertierende Jugendliche unbedachte und unangemessene Äußerungen auf Twitter, für die sie sich – etwas älter geworden – entschuldigt. So what? Wenn da auf etwas ‚herumgehackt‘ wird, dann auf dieser Petitesse. Dann wird ihr von einer nahezu greisen und damit vermeintlich lebenserfahrenen Autorin, deren großer Lebensinhalt u.a. ‚Sprache‘ war/ist, vorgehalten, die könne gar nicht reden. Frau Heidenreich war sicherlich immer schon eloquent, auch in jungen Jahren, hat aber eines nie Erfahren, wie über 90 Prozent ihrer Landsleute auch nicht: Wie es ist, wenn man dauerhaft einer (Schein-)Minderheit angehört oder in einem Land lebt, das nicht das Ursprungsland ist.“
Die Person, die t-online schrieb, möchte festhalten: „Kaum ein (weißer) Deutscher kann sich das wirklich vorstellen, weil sich die Auslandserfahrungen max. auf einen (Kurz-)Urlaub beschränken. Etwas unter 20 Prozent der Deutschen waren sogar noch nie im Ausland. Aber genau diese Menschen maßen sich an, über die Befindlichkeiten der Betroffenen zu urteilen.“
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