Mein Sohn ein Nazi? – Das Drama "Toter Winkel"

Berlin (dpa) – Eine bürgerliche Idylle: Karl Holzer (Herbert Knaup) lebt mit seiner Familie zufrieden in einer deutschen Kleinstadt. Der Friseur hat eine gute Ehe, einen Sohn und ein Enkelkind.

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Alles droht zusammenzubrechen, als ein Freund aus Kindertagen von Sohn Thomas stirbt. Das Gerücht kursiert, der Tote sei in schwere Verbrechen mit rechtsterroristischem Hintergrund verwickelt gewesen. Es dauert nicht lange, bis auch Thomas unter Verdacht gerät. Karl Holzer muss infrage stellen, ob er als Vater alles richtig gemacht hat. Das WDR Fernsehen zeigt am Dienstag (22.15 Uhr) das Drama „Toter Winkel“.

Der anderthalbstündige Film, eine Wiederholung von 2017, startet mit der mutmaßlichen Abschiebung einer Familie aus dem Kosovo – nach 17 Jahren in Deutschland. Männer in Polizeiuniformen räumen nachts die Wohnung, die 15-jährige Tochter Anyá entkommt. Es vergeht eine kleine Weile, bis klar wird, dass die Familie auf perfide Weise verschwand.

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Derweil entflammt auch der Generationenkonflikt im Hause Holzer. Der Friseurmeister Karl erfährt, womit sich Sohn Thomas (Hanno Koffler) so die Zeit vertreibt. Der sieht die Debatte um rechtsterroristische Verbrechen recht locker: „Faschist – dehnbarer Begriff, oder?“

Karl trifft schließlich auf die verstörte Anyá. Gibt es womöglich einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden von Anyás Familie und dieser rechtsterroristischen Zelle? Ist ihre Familie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Und ist Karls Sohn gar darin verwickelt?

Autor Benjamin Zakrisson-Braeunlich und Regisseur Stephan Lacant haben die Probleme wenig effekthascherisch inszeniert. Und doch wirkt der Film wegen seines teilweise unerwarteten Verlaufs und vor allem wegen des dramatischen Geschehens sehr intensiv. Er lässt lange offen, wie tief Thomas in die rechtsextreme Szene verstrickt ist.

Für Karl geht es ans Eingemachte: Ist die Familie ihm das Wichtigste? Und liegt die Schuld für die Entwicklung seines Sohns bei ihm? Alte Szenen erscheinen plötzlich in neuem Licht.

„Toter Winkel“ war bei den International Emmy Awards in New York nominiert, ging aber leer aus. Der Film könnte Grundlage für politische Diskussionen sein und müsse Zuschauern daher mehr als angenehme Unterhaltung bieten, hat der Produzent Hans W. Geißendörfer einmal gesagt: „Er zielt immer ins Herz und ins Hirn.“

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