Mini-Revival der TV-Gymnastik

Berlin (dpa) – Es geht los: stretchen. Eine Trainerin in pinkfarbenen Leggings macht es vor. Es folgt: Auf der Stelle joggen, springen, mit der Hand den Boden berühren. Motivation im “Power Po”-Training, das der Hessische Rundfunk demnächst zeigt: “Lass’ Dir Zeit. Es wird noch anstrengend genug.”

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Mitmach-Sport erinnert an die 1980er Jahre, als geschminkte Sportfans mit Dauerwelle und knallfarbenen Outfits den Aerobic-Trend aus den USA ins deutsche Fernsehen brachten. Gymnastikübungen im TV haben zugleich bis heute überlebt. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Sendern ergab: In Corona-Zeiten läuft sogar insgesamt wieder etwas mehr Mitmach-Sport.

Ein Mini-Revival für TV-Gymnastik: Als es im Frühjahr viele Einschränkungen im Alltag in der Corona-Pandemie gab, zeigte der Hessische Rundfunk (HR) morgens eine Dreiviertelstunde Mitmach-Sport eines Breitensportvereins. “Wir wollten den Menschen in Hessen damit dabei helfen, sich trotz geschlossener Fitnessstudios und abgesagter Sportkurse gesund und fit zu halten”, teilt der öffentlich-rechtliche Sender mit. “Fit in den Tag” läuft nun im November wieder.

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Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) führte nach Ausbruch der Pandemie ein TV-Fitness-Format ein, das ebenfalls morgens unter der Woche läuft. Gleiches Bild zeigt sich beim Norddeutschen Rundfunk (NDR): Im April wurde das neue Format “Der Norden bleibt fit zuhause” mit Spitzensportlern gegen Mittag im NDR Fernsehen ausgestrahlt.

Nicht nur Öffentliche-Rechtliche springen auf den Trend. Der Bezahlsender Sky initiierte für sein Programm Sky Sport im Frühjahr das Fitness-Format “SkyGym” mit 10-Minuten-Workouts. Nach Senderangaben ist das Training aktuell am Wochenende morgens zu sehen.

Aber nicht überall ist diese Entwicklung zu beobachten. Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 sieht es so: “Mitmach-Sport ist heute so individuell, dass er für unsere Sender keine Rolle spielt.” Auch im ZDF gibt es keine Pläne für ein Sportprogramm zum Mitmachen.

“Tele-Gym” – beim Bayerischen Rundfunk (BR) hat das schon rund 30 Jahre alte TV-Format im Gegensatz zu anderen Sendungen – zum Beispiel “Üb mit, bleib fit” im Saarländischen Rundfunk in den 1960er Jahren, “Enorm in Form” im ZDF in den 80ern oder “Medizin nach Noten” in der DDR – bis heute überlebt.

“Tele-Gym”-Vorläufer war in den 1970er Jahren Skigymnastik mit Sportstar Rosi Mittermaier. In Corona-Zeiten stieg das Interesse. Der BR nennt Zahlen: Vor dem ersten Lockdown zog die Sendung von Jahresanfang bis Mitte März werktags gegen 08.30 Uhr durchschnittlich 71.000 Zuschauer bundesweit an, seither sind es 87.000. Und innerhalb der Zeit des ersten Lockdowns 110.000.

In diesem Jahr führte der BR ein weiteres Mitmach-Format “Fit mit Felix” mit Ski-Star Felix Neureuther ein, das vor allem für digitale Kanäle konzipiert ist. Zudem läuft derzeit sonntags eine Folge im BR Fernsehen.

Die dpa-Umfrage ergab weitere Trends: TV-Sender integrieren Sportübungen zwar in ihr Programm, bieten aber dafür keine eigenen Formate an. Beispiele: Im Ersten gibt es in der Service-Sendung “ARD-Buffet” auch Fitness- und Entspannungsübungen, und das auch schon vor Corona. Seit Frühjahr wurde die Schlagzahl erhöht, heißt es. Ein fester Sendeplatz für ein Mitmach-Sportformat sei aber nicht geplant.

Auch der Mitteldeutsche Rundfunk und der Südwestrundfunk integrieren schon länger Sportübungen in Nachmittags-Servicesendungen. Vom MDR heißt es: “Aktuell beobachten wir, auch aufgrund von wieder geschlossenen Fitnessstudios und dem Eintreten der ‘dunklen Jahreszeit’ einen erhöhten Bedarf an Angeboten.” Beim Saarländischen Rundfunk führte Corona dazu, dass im Sportteil der Landesschau (“Aktueller Bericht”) von März bis Mai Fitnessübungen zum Mitmachen vorgestellt wurden.

Weiterer Trend: Mitmach-Angebote gibt es im Digitalen, aber nicht im fortlaufenden TV-Programm. Der Privatsender RTL bietet zurzeit Sportübungen auf seiner Webseite unter der Aktion “Lockdown-Challenge” an. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) teilt mit: “Wer sich vor einem Bildschirm zum aktiven Sporttreiben anleiten lassen möchte, tut dies nicht zu einer bestimmten, vorgegebenen Zeit mithilfe eines linearen Angebots. Daher planen wir derzeit kein Mitmach-Sportformat im linearen Programm, bieten aber verschiedene On-demand-Angebote an”. Und der SWR hat über bestehende digitale Sportformate das vor: “Wir planen außerdem noch in diesem Jahr die Aufzeichnung eines neuen Formats mit mehreren Folgen, das voraussichtlich vor allem über YouTube und Facebook zu den Menschen kommt.”

Von einer langfristigen und breiten Wiederkehr und steigendem Interesse an TV-Mitmachsport gehen Sender eher nicht aus. Vom RBB heißt es dazu: “Der Online-Markt für Sportangebote ist so vielfältig, dass jeder, der sich bewegen möchte, eher dort sein maßgeschneidertes Programm findet.”

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