Kritik zum ‘Tatort: Parasomnia’ aus Dresden: Zwischen unheimlich und etwas albern

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung und das Ende des Dresden-Falls “Tatort: Parasomnia” . Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben. (Sonntag, 15. November, 20.15 Uhr, ARD oder in der Mediathek)

Ohne den Erbauern oder den tatsächlichen Bewohnern zu nahe treten zu wollen: Dies ist das trostloseste, umheimlichste, schrecklichste, traurigste und gespenstischste Haus der jüngeren Krimigeschichte. Und “Parasomnia” spielt fast nur an diesem Un-Ort.

 Kein Wunder, dass die junge Tochter Talia (beeindruckend: Hannah Schiller) da Horrorvisionen von diversen Toten hat und auch sonst ein paar Dinge sieht, die in Wirklichkeit gar nicht da sind. Vielleicht sind auch die Bilder des Vaters schuld, der als Illustrator im Erdgeschoss Drachen und sonstige Ungeheuer vor sich hin malt, während seine Tochter oben einen Panikanfall nach dem anderen hat.

“Tatort” aus Dresden: Ein Nachbarschaftskrieg, bei dem alle verdächtig sind

Die seltsame Nachbarschaft macht die Lage nicht besser. Merke: Wo man dir zur Zeugenbefragung Cracker und Fischfilets serviert statt Kekse und Kaffee, da greif beherzt nicht zu und beschränke dich auf deine Fragen. Nebenbei geraten Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler
(Cornelia Gröschel) noch in einen Nachbarschaftskrieg, bei dem der eine verdächtig ist, weil er nie dabei ist, wenn in der Gegend mal was los ist, und die anderen verdächtig sind, weil sie immer dabei sind.

Winkler wird unfreiwillig zur Bezugsperson der verängstigten Talia (mit der sie einen Geist der Vergangenheit teilt) – und darf sie in einer kurzen Heldinnenszene vor einem wütenden Mitschüler retten. Das hätte auch Bruce Willis nicht schöner machen können, nur wäre da die Fallhöhe
etwas größer.

Gorniak und Schnabel ermitteln DDR-Vergangenheit

Gorniak und ihr Chef Schnabel (Martin Brambach) besuchen einen alten Stasi-Mann, der zu DDR-Zeiten mit solchen Fällen betraut wurde, die es offiziell im Sozialismus nicht geben durfte, Serienmorde zum Beispiel. Als Gorniak und Schnabel mit der alten Akte vor ihm stehen, raunt er erlöst “Endlich” und erzählt die ganze Geschichte, eine Szene wie aus der Verfilmung von Stieg Larssons “Verblendung”. Als er dann zu Schicksals-Geigenklängen noch weiterraunt: “Den Namen vergesse ich nie: Rolf Poller!”, da fehlt eigentlich nur noch ein Gewitterdonnern im Hintergrund.

Winkler macht dann noch mal eben eine Blitz-Psychotherapie mit dem Mädchen (natürlich erfolgreich), woraufhin sie die langgesuchten Spuren findet. Alles ziemlich unheimlich, alles irgendwo zwischen schrecklich und etwas albern. Winkler beziehungsweise der Film braucht dann eine lange Weile, bis eine zugemauerte Wand aufgeschlagen ist. Dann gibt es noch ein paar Wendungen in der Handlung, und dann ist auch bald Schluss. Wer Horrorgeschichten mag und über zwei, drei etwas überambitionierte Szenen hinwegsehen kann, der hat seinen Spaß. Alle anderen brauchen danach vermutlich eine Lach-Therapie.

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