Sabine Sauers Abschied vom TV: ‘Rente? Freiheit!’

AZ-Interview mit Sabine Sauer: Die BR-Ikone verabschiedete sich am Montag nach mehr als 17 Jahren als Moderatorin der Sendung “Wir in Bayern” in den Ruhestand.

AZ: Liebe Frau Sauer, als jetzt am Montag nach 43 Jahren beim BR und 17 Jahren bei “Wir in Bayern” der Abspann Ihrer Abschiedssendung lief und die Kameralichter ausgingen, was spürten Sie da in Ihrem Kopf, im Herzen?
SABINE SAUER: Tja, da war die Sendung vorbei. So wie auch sonst immer. Und doch war alles anders: Natürlich war ich völlig überwältigt, gerührt, das war größer als das Leben, ich muss das erst noch verkraften.

Haben Sie denn danach auf sich angestoßen?
Ein Umtrunk mit den lieben Kollegen ging coronabedingt nicht. Ich hoffe, dass das Leben im Sommer leichter und wärmer ist, dann feier ich ein Fest. Abends bin ich zu meiner Schwester und ihren drei Kindern, die inzwischen alle erwachsen sind, gefahren. Sie haben die Sendung gesehen, waren auch gerührt wie ihr Tantchen. Da habe ich eine Flasche Champagner geöffnet. Richtig krachen lassen konnte ich es nicht, wegen der Ausgangssperre musste ich ja um 21 Uhr wieder daheim sein. Ich gebe zu: Es war ausnahmsweise 20 Minuten später.

Sauer: Rente oder Ruhestand? “Beide Worte sind fürchterlich!”

Falls ein Polizist Sie aufgehalten hätte…
…dann hätte ich ihn mit meinem besonderen Fall zugetextet (lacht).

Heute Morgen sind Sie am ersten Tag Ihrer TV-Rente aufgewacht. Oder wie nennen Sie es: Ruhestand?
Beide Worte sind fürchterlich! Ich kann das schon nicht mehr hören und zucke immer zusammen. Ich fühle mich nicht nach Rente, das klingt so vorbei. Dabei geht mein Leben ja glücklicherweise weiter. Ich erfreue mich bester Gesundheit, behaupte, jugendlichen Elan zu besitzen. Da klingt Ruhestand wie eine Bremse, als ob das aktive Leben beendet ist.

Für Ihren neuen Zustand braucht’s einen neuen Begriff!
Nennen wir es doch Freiheit.

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Abgemacht. Wie war Ihr erster Tag in Freiheit?
Wunderbar. Die Sonne lacht, Blumen vom Sender erfreuen mich, dazu Hunderte Nachrichten, Mails – ich hätte damit nicht gerechnet. Teilweise melden sich Menschen wieder, mit denen ich vor 30 Jahren Kontakt hatte. Oder Leute, deren Jugend ich geprägt zu haben scheine. Es ist toll, diese Wertschätzung mitzubekommen.

Für Ihr Publikum ist es sicher nicht leicht zu verstehen: Wer Sie anschaut, denkt wirklich nicht an – ein letztes Mal muss das Wort hier sein: Rente. Viele halten Sie für 45.
Erstmal: danke. Dazu muss man sagen, um sieben oder acht Uhr morgens sehe ich auch nicht so aus, wie ich im Fernsehen aussehe. Das verdanke ich Gabi Grosch, meiner tollen Maskenbildnerin. Ich treibe keinen Sport, was ich jetzt ändern könnte. Ich esse und trinke völlig normal – so wie in Fett ausgebackenes Wiener Schnitzel. Ich glaube, es liegt in der Familie. Meine Mutter hat im hohen Alter keine Falten gehabt. Vielleicht ist es auch die fröhliche Haltung zum Leben, die man meinem Gesicht ansieht.

“Man macht einfach wie ein Rennpferd immer weiter”

Wie erklären Sie Ihren Fans, dass Sie aufhören?
Ja, das ist schwierig. Warum hören Sie auf?, werde ich oft gefragt. Aber das sind eben die Regeln – für die sogenannten “festen freien” Mitarbeiter beim BR. Ich hadere nicht damit. Ich freue mich, jetzt ein bisschen entspannter zu leben. Die vielen Live-Shows, die Vorbereitungen, das war schon immenser Druck. So eine Nachmittagsshow schaut ja leicht aus, aber 75 Minuten ohne Teleprompter zu moderieren, erfordert große Konzentration – ohne dass es danach aussieht.

Was hat Sie stets motiviert?
Selbst nach einem heftigen Sturz kurz vor einer Show habe ich mal dreieinhalb Stunden live durchmoderiert und meine einzige Sorge war, ob man mir die geplatzte Lippe ansieht. Man macht einfach wie ein Rennpferd immer weiter.

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