"Power Up": Haben AC/DC noch Kraft?

t-online hat offene Ohren für die wichtigsten Alben der Woche und gibt Ihnen Musiktipps. Diese Woche mit dabei AC/DC, Heinz Rudolf Kunze und die Toten Hosen auf Englisch.

Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Veröffentlichungen der Woche zu hören, stimmt t-online Sie mit der wöchentlichen Rubrik “Schon gehört?” ein.

AC/DC – Power Up

(Quelle: Another Dimension)

Mittlerweile ist das Release eines neuen Albums von AC/DC so ein Mainstream-Event, wie VÖs von Rammstein oder Helene Fischer. Aber gut, diese Band war schon den Großteil ihrer Karriere mit viel Erfolg verwöhnt. Und dass obwohl die Unterschiede zwischen den einzelnen Songs meist nur im Detail stecken. Die einen nennen es eindimensional, die anderen einen “Signature Sound”. Mit “Power Up” gibt man sich nun doch noch einmal mit Sänger Brian Johnson die Ehre auf dem gewohnten Terrain. Dass war gar nicht mal so sicher, da er zeitweise auf der Bühne von Guns-N’-Roses-Frontmann Axl Rose ersetzt wurde.

Aus Axl/DC wurde aber (leider?) nichts Längerfristiges. Also kann man weiter auf ein neues Album der Quasi-Reunion-Guns-N’-Roses warten, während sich AC/DC wieder zusammengetrommelt haben. Und schon bei den ersten Tönen vom Opener “Realize” weiß man, was man die nächsten 42 Minuten bekommen wird: Rock’n’Roll wie er im Buche steht. Auch 2020 scheut diese Band jegliche Experimente und spielt den Bad-Boy-Boogie wie seit knapp 50 Jahren.

Naja, eine kleine Nuance haben sie dann schon geändert: Johnson wird oft durch Chöre der anderen Musiker unterstützt. Das wirkt im Vergleich zum gepressten Gesang oft sogar recht melodisch, wie in “Shot in the Dark” oder dem heimlichen Hit der Platte, “Through the Mists of Time”. Aber es ist nicht alles Gold, was in wenigen Tagen sicherlich schon mit Gold ausgezeichnet wird: “Demon’s Fire” kann wirklich gar nicht überzeugen. Weder mit den Spoken-Word-Strophen, noch dem “Ich lerne seit zwei Wochen Gitarre”-Lick und leider auch nicht mit dem Chorus. Zum Glück ist das der einzige Ausfall auf “Power Up”, dafür ist das direkt ein Totalausfall.

Mit “Power Up” beweisen AC/DC, dass sie noch immer kraftvoll sind und sich noch nicht der Altersschwäche hingeben. Der Jungbrunnen-Sound klingt im Grunde heute noch genauso energiegeladen, wie zu “Dirty Deeds Done Dirt Cheap”- oder “Back In Black”-Zeiten.

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Die Toten Hosen – Learning English Lesson 3: Mersey Beat! The Sound Of Liverpool

(Quelle: Another Dimension)

Meist muss man sich ja entscheiden, ob man Die Ärzte oder Die Toten Hosen gut findet. So wie in den Sechzigern mit den Beatles und den Rolling Stones. Das aktuelle Die-Ärzte-Werk “Hell” war schon ziemlich gut. Während die Veröffentlichung nach acht Jahren Pause dann doch recht überraschend war, überraschen die ehemaligen Deutsch-Punker von den Hosen nun ebenfalls. Und zwar mit einem neuen Coveralbum auf Englisch.

Auch wenn die Düsseldorfer schon zwei “Leaning English”-Stunden hatten und Punk-Klassiker nachspielten, so wirklich kann ich mich mit Campino, der englisch singt, nicht anfreunden. Zudem beschränkt sich die Songauswahl auf Nummern aus den Sechzigerjahren von Bands, die – wie Sie vielleicht schon wegen des Titels vermuten – aus Liverpool stammen. Spätestens nach zwei Songs wiederholt sich das Schema dann ein bisschen. Jo, aus den Swinging 60’s werden Punk-Songs gemacht indem man das Tempo hochschraubt. Oft ist das aber etwas eintönig. “You’re No Good” kann schon punkten, aber der Großteil plätschert eher vorbei. Immerhin ist das neue Material nicht so Bier-Werbespot-tauglich wie “An Tagen wie diesen”…

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Heinz Rudolf Kunze – Wie der Name schon sagt: Solo live

(Quelle: Another Dimension)

Das Musikgeschäft ist nicht immer fair. Während Herbert Grönemeyer zu den erfolgreichsten Künstlern des Landes zählt, musste Heinz Rudolf Kunze trotz aller Prominenz irgendwie immer ein Musikerleben in der zweiten Reihe leben. Mit Grönemeyer, Maffay oder Lindenberg konnte er kommerziell nie mithalten. Und wenn man sein neues Livealbum “Wie der Name schon sagt: Solo live” hört, muss man sich fragen: Warum eigentlich?

Klar, “Dein ist mein ganzes Herz” ist ein Hit, den jeder sofort im Kopf hat. Auf zwei CDs mit 35 Titeln gibt es viel Musik und auch gesprochene Texte des Sängers. Eine Band steht nicht mit auf der Bühne, sondern Heinz Rudolf Kunze begleitet sich selbst an Gitarre und Klavier. Das holt auch aus “Dein ist mein ganzes Herz”, für welches er in die Tasten haut, noch einiges raus. Aber auch andere Nummern wie “Mit welchem Recht” oder “Leg nicht auf” hätten große Kerben in die deutsche Popkultur schlagen müssen. Schade drum!

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Brian Eno – Film Music 1976-2020

(Quelle: Oktober Promotion)

Der Meister der Hintergrundmusik stellt hier seine beste Filmhintergrundmusik zusammen. Brian Eno wurde durch die kunstvollen Glam Rocker von Roxy Music in den Siebzigern bekannt, machte solo später aber ganz reduzierte Musik, die eigentlich keinen Strukturen folgte oder irgendwelche Höhepunkte hatte und der dennoch seine ganz eigene Magie innewohnt. “Film Music 1976-2020” stellt nun eine Art Best-Of von Enos Soundtrackbeiträgen von, nun, 1976 bis heute zusammen. So gibt es Songs zu hören, die für Filmhits wie “Trainspotting”, “Hammerhead”, “Heat” oder “Dune” komponiert wurden. 

Und so unterschiedlich diese Filme sind, so unterschiedlich ist auch das Komponieren von Brian Eno. Mal etwas flotter, mal sphärisch und meist ganz reduziert. “Ship in the Bottle” aus dem 2009er Film “The Lovely Bones” etwa wirkt schon nahezu emotional und elegisch. Dabei passiert eigentlich recht wenig. Großes Kino!

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The Cranberries – No Need to Argue 

(Quelle: Promo Team)

Das ist die Platte mit “Zombie”. Viel mehr muss man über das Neunziger-Erfolgsalbum von den Cranberries eigentlich nicht sagen. Einen weiteren Klassiker vom Format der lebenden Toten hat die Band zwar nie geschrieben, dafür finden sich auf “No Need to Argue” noch einige weitere Perlen, die irgendwo zwischen Alternative Rock, Neunziger Nihilismus und süßer Radiotauglichkeit pendeln.

“Ode to My Family”, “I Can’t Be With You” oder “Yeats’ Grave” gehen eigentlich genauso gut ins Gehör wie “Zombie”. Zugegeben: Diese Songs kennt man schon mindestens seit dem Original-Release aus dem Jahr 1994. Für Fans interessanter wird der Bonus-Teil dieser Doppel-LP sein: B-Seiten sowie einen Song aus einem “MTV Unplugged” sowie das Cover vom The-Carpenters-Track “(They Long to Be) Close to You”. Auch der Sound des Remasters kommt schön klar und druckvoll aus den Boxen.

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Alle Alben sind am 13. November in digitaler sowie physischer Form erschienen. Haben Sie “Schon gehört”, wer nächste Woche dabei sein wird? Iron Maiden, Rea Garvey und Pink Floyd. Wir hören uns wieder!

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