Ein Zeichen der Solidarität
22nd Mai 2020
| 6 views

Die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks sammeln mit einem virtuellen Konzert am Sonntag Spenden für freischaffende Musiker

Am Sonntag ruft der Bayerische Rundfunk mit seinen drei Klangkörpern trimedial dazu auf, für den Nothilfefonds der Deutschen Orchester-Stiftung zu spenden. Als Gaststars sind die Sopranistin Regula Mühlemann, der Bariton Christian Gerhaher und die Geigerin Lisa Batiashvili bei diesem virtuellen Konzert mit dabei. Der für die beiden Orchester und den Chor verantwortliche Hörfunkdirektor Martin Wagner erläutert das Konzept.

AZ: Herr Wagner, seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es Livestreams, etwa aus dem Nationaltheater. Warum hörte man von Klangkörpern des BR, die alle technischen Voraussetzungen samt Sälen im Funkhaus haben, bis jetzt gar nichts?
MARTIN WAGNER: Es gab nicht nichts, sondern diverse Aktivitäten in den sozialen Medien. Der Grund ist ganz einfach: Wir durften nicht ins Studio. Dafür mussten erst die Bedingungen geklärt werden. Und ich bin dem Betriebsarzt sowie den Managern und Managerinnen Susanne Vongries vom Chor des BR, Veronika Weber vom Münchner Rundfunkorchester und Nikolaus Pont vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks dankbar, dass mit großem Einsatz geklärt werden konnte, wie man im großen Studio mit kleiner Besetzung auftreten kann.

Braucht man dafür wirklich zwei Monate?
Sie wissen, dass die Debatten über Aerosole beim Singen oder den notwendigen Abstand bei Bläsern noch nicht beendet sind. Dazu gab und gibt es widersprüchliche Studien und Meldungen, daher führen wir aktuell in Kooperation mit dem LMU Klinikum München und dem Uniklinikum Erlangen auch eine eigene Untersuchung durch. Diese Klärung brauchte Zeit, und bei uns steht die Sicherheit der Kolleginnen und Kollegen an erster Stelle. Das gilt für alle, die beim BR arbeiten. Und natürlich auch für die Musikerinnen und Musiker.

Dass alle drei Ensembles gemeinsam auftreten, ist angesichts interner Rivalitäten und Animositäten durchaus ungewöhnlich.
Das habe ich so nie erlebt und in der aktuellen Situation erst recht nicht. Das Symphonieorchester, der Chor und das Rundfunkorchester waren sofort bereit, mitzumachen. Sie treten übrigens nicht gemeinsam auf – das ginge momentan auch gar nicht –, sondern nacheinander und zum Teil auch aufgezeichnet. Die Überlegung dahinter war: Wie können wir unsere Klangkörper hör- und sichtbar machen? Unser Intendant Ulrich Wilhelm hat vorgeschlagen, gemeinsam etwas zu machen, um denjenigen zu helfen, denen es deutlich schlechter geht als jenen, die durch eine Festanstellung ein Gehalt beziehen: den freien Künstlerinnen und Künstlern, die nicht auftreten können und derzeit kein Geld verdienen. Danach war viel Kleinarbeit beim Engagieren der Solisten und in der Organisation zu erledigen. Wir freuen uns sehr, dass auch 3sat das Konzert live überträgt.

Was steht auf dem Programm?
Howard Arman, der künstlerische Leiter des BR-Chors, dirigiert das Münchner Rundfunkorchester. Es begleitet die Sopranistin Regula Mühlemann in Arien von Händel. Darauf folgen kleinere Orchesterwerke wie die dritte Suite aus Respighis „Antiche danze ed arie“. Mitglieder des BR-Chors singen geistliche Gesänge von Tallis bis Poulenc – aufgezeichnet außerhalb des Funkhauses an einem durchaus überraschenden Ort – sowie Brahms und Hits aus den 1950er-Jahren. Das Symphonieorchester des BR führt Bachs Kantate „Ich habe genug“ mit Christian Gerhaher und Tschaikowskys Streichsextett „Souvenir de Florence“ mit der Geigerin Lisa Batiashvili auf.

Quelle: Lesen Sie Vollen Artikel