Schönheitengalerie im Schloss Nymphenburg: Geschichten hinter Gesichtern

München – Die Schönheitengalerie König Ludwigs I. ist berühmt, doch die Lebensgeschichten der 38 Frauen, deren Porträts des Malers Joseph Stieler in Gold gerahmt im Schloss Nymphenburg hängen, sind es weniger. Heute sind die Bilder sogar auf Pralinenschachteln und Tassen zu finden. Doch wer sind die Menschen dahinter, was hat diese Frauen bewegt und wie verlief ihr Leben vor und nachdem sie in die Riege der Königsschönheiten aufgenommen wurden?

von imago/Stefan M Prager

Die Münchner Historikerin Cornelia Oelwein hat es sich zur Aufgabe gemacht, hinter die zweifelsohne hübschen Gesichter zu blicken und die Geschichten von “Ludwigs Damen”, unter denen von der Dienstbotentochter bis zur Prinzessin alles vertreten war, was als schön galt, zu recherchieren.

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In ihrem neu im Volk-Verlag erschienenen Buch “Nicht nur schön” (432 Seiten; 22 €) stellt sie die Frauen, ihre Lieben, ihre Leiden und ihr ganzes Leben ausführlich vor. Kurzweilig, präzise, mit Gerüchten aufräumend. Die AZ zeigt erzählt Geschichten in Kurzform.

Auguste Strobl

Die Beamtentochter aus München (*1807) ist eine der ersten Frauen, die König Ludwig I. von Joseph Stieler malen lässt. Der Monarch soll so begeistert von der Münchnerin gewesen sein, dass er ihrer Tugend und Schönheit in mehreren Gedichten huldigte, schreibt Historikerin Cornelia Oelwein. Der Legende nach bat Strobl den König, ihren Verlobten, den Forstgehilfen Anton Norbert Hilber zu befördern, was später auch passierte.

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Mit Hilber bekam Auguste fünf Kinder, lebte mit ihm unter anderem in Ergoldsbach und starb schließlich 1871 in Passau. Zu dem Zeitpunkt waren nur noch drei ihrer Kinder am Leben. Ihr Mann aber überlebte Auguste um fast exakt zehn Jahre, so die Historikerin. Von Auguste Strobl gibt es zwei Stieler-Porträts, das Bild oben zeigt das erste. In der Schönheitengalerie sind heute wieder beide zu sehen. Angeblich hatte dem König auf diesem ersten Porträt der “Schwanenhals” der jungen Frau nicht gefallen.

Charlotte von Hagn

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Eines der bekanntesten Bilder aus der Königsgalerie ist das dritte, das Stieler dafür malte: Charlotte von Hagn, die 1809 geboren wurde. Ihr Bühnentalent förderte die berühmte Münchner Schauspielerin Marianne Lang, schreibt Oelwein. König Ludwig I. soll nicht nur ihr Spiel, sondern auch ihr Aussehen sehr gefallen haben. Ein Jahr brauchte Maler Stieler für das Porträt der damals 17-Jährigen.

Charlotte avancierte zum Publikumsliebling am Hoftheater. Dass ihr eine Affäre mit dem König angedichtet wurde, schmälerte die Popularität keineswegs, so die Historikerin. Zwar war “die Hagn” beliebt, doch ihr Tagebuch weist sie als Intrigantin gegen Schauspielkolleginnen aus. Sie starb als verwitwete Charlotte von Oven 1891. Ihr Grabstein auf dem Alten Südlichen Friedhof ist noch immer erhalten.

Lady Jane Ellenborough

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Eine echte Abenteuerin war diese englische Dame, die 1807 in der Grafschaft Norfolk in ein reiches Elternhaus eines Admirals geboren wurde. Nach zwei unglücklichen Beziehungen kam sie über Basel und Paris 1831 nach München, wo sie Ludwig I. im “Goldenen Hirsch” in der Theatinerstraße begegnete. Der war von ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung beeindruckt – und ließ sie malen. Reger Briefkontakt entsponn sich zwischen den beiden. Jane sagte dem König etwa zu, sollte sie, die in England geschieden worden war, je wieder verheiratet sein und die “eheliche Treue brechen”, würde das nur mit ihm geschehen.

König und Lady lebten zeitweise zusammen, doch verband sie wohl nur eine platonische Freundschaft, wie Ludwig I. in seinen Tagebüchern vermerkte. Ein Denkmal setzte ihr Honore de Balzac in seinem Roman “Die Lilie im Tal”. Verheiratet war Jane auch mit dem Grafen Spiridon Theotoki aus Korfu und lebte in Syrien bei den Mezrabs, wo sie Scheich Medjuel heiratete. Sie starb 1881 in Damaskus.

Josepha Conti

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Sie trägt ein dunkelgrünes Samtkleid und einen Kranz aus weißen Rosen im Haar, richtet den Blick nach oben: Die Tochter eines Bediensteten und einer Bäckerstochter ist eine der unbekannteren Schönheiten der Galerie – und die einzige, die, als sie mit 19 Jahren Modell für den Maler des Königs sitzt, bereits Witwe war und ihr Leben recht modern gestaltet hat. Mit 15 Jahren wurde Josepha Reh (später Conti und Schirsner) schon mit dem Münchner Anton Conti verheiratet, der kurz darauf starb.

Sie machte eine Modeboutique in der Brienner Straße auf, der König unterstützte sie wohl finanziell und machte sie später zu seiner Leinwandmeisterin, die für die königliche Tischwäsche zuständig war. Für damalige Verhältnisse untypisch gab sie auch trotz einer erneuten Heirat diese Stelle am Hof nicht auf und blieb berufstätig, schreibt Oelwein. Sogar, obwohl sie mit dem Juristen Anton Schirsner zwei Kinder hatte. Sie starb im Winter 1881 an einem Herzklappenfehler und wurde auf dem Auer Friedhof beigesetzt.

Prinzessin Alexandra

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In der Schönheitengalerie sind auch einige Familienmitglieder verewigt, darunter Ludwigs jüngste Tochter, sein liebstes und sein Sorgenkind: Prinzessin Alexandra von Bayern (*1826). Das Leben vom siebten Königskind lief “still und unbemerkt von der großen Welt” dahin, wie es in einem Nachruf heißt, so Oelwein. Zandi, wie sie genannt wurde, war wohl recht einsam und frustriert ob dieses Umstands. Einen glühenden Verehrer hatte Alexandra aber: Hermann Barxell, Neffe des Freiburger Erzbischofs. Doch diese Liebe durfte aus Standesgründen nicht sein. Alexandra wurde 1850 für drei Jahre in eine Nervenheilanstalt gebracht. Sie war eigen, so Oelwein, aber sicher nicht geisteskrank. Alexandra engagierte sich im Tierschutz, gründete eine Armenküche – und blieb unverheiratet.

Anna von Greiner

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Die letzte der 38 Schönheiten in der Galerie von Ludwig I. ist Anna Bartelmann. Sie wurde 1836 in Hausen bei Frankfurt geboren, als etwa die Hälfte der Porträts schon beendet war. Ihres wurde von Friedrich Dürck gemalt. 1857 kam die als brav geltende Schauspielerin Anna Bartelmann nach München ans Hof- und Nationaltheater, ehe sie 1860 kurzzeitig ans Wiener Burgtheater wechselte. Der Privatier Emil Ferdinand von Greiner heiratete Anna dann im Februar 1861 in der Frauenkirche. Das Paar, so schreibt es die Historikerin, verkehrte im damaligen Münchner Jetset.

Auf einem der Feste dürfte Anna dem König aufgefallen sein, der sie mit Mitte 20 malen ließ. Das Bild dürfte im Sommer 1863 entstanden sein. Anna selbst wurde nach nur zwei Jahren Ehe von Greiner geschieden und ging zurück nach Wien, wo sie wieder am Burgtheater arbeitete. Allerdings, wie zuvor, immer “in zweiter Reihe”. Ihr Todesdatum ist unbekannt.

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