Anthony Bramall über die Premiere von “Tosca”
12th November 2019
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Der Chefdirigent des Gärtnerplatztheaters über Puccinis „Tosca“ und seine Pläne nach der Verlängerung seines Vertrags

Ende Oktober wurde der Vertrag von von Anthony Bramall als Chefdirigent des Gärtnerplatztheaters bis 2023 verlängert. Der Brite sorgt dort seit einiger Zeit auch mit bestens einstudierten symphonischen Programmen für Aufsehen. Als nächstes wird Bramall die musikalische Leitung der „Tosca“-Produktion übernehmen. Premiere ist am Donnerstag um 19.30 Uhr.

AZ: Herr Bramall, was reizt Sie an Puccinis „Tosca“? Das ist doch keine typische Oper für das Gärtnerplatztheater.
ANTHONY BRAMALL: Heute morgen beim Zähneputzen habe ich überlegt: „Tosca“ ist so unglaublich aktuell. Die Heuchelei von Scarpia gegenüber Tosca ist in Hinsicht auf die heutige #Metoo-Debatte eindeutig. Scarpia ist auf der einen Seite absoluter Machtmensch, aber gleichzeitig auch ein Opfer von Fake News – denn die Information, dass Napoleon besiegt wurde, ist ja falsch. Tosca hingegen lässt sich total von ihren Gefühlen leiten und verrät sich somit an Scarpia.

Sie verliert einen Moment die Kontrolle über sich.
Ich weiß nicht, wie klug Tosca ist, ehrlich gesagt. Bei all diesen Aspekten wechselt Puccini schnell von einer Stimmung zur anderen, ähnlich, wie das Schnitte im Film tun. Das ist extrem interessant, aber macht es sehr kompliziert. „Tosca“ ist viel schwerer zu dirigieren als etwa „La Bohème“. Bei „Tosca“ muss man alles vorher verabreden mit den Sängern, etwa, wann man die Einsätze gibt. Es hat sozusagen keinen bedienerfreundlichen Fluss. Und das Orchester ist extrem symphonisch eingesetzt.

Diese Inszenierung der „Tosca“ wurde bereits vor einigen Jahren in Klagenfurt und Wuppertal gezeigt. Was ist der Grund, sie nun auch nach München zu holen?
Diese Produktion von Stefano Poda ist eng mit unserem Staatsintendanten Josef E. Köpplinger verbunden. Aufgrund ihres großen Erfolges kommt sie nun auch ans Gärtnerplatztheater.

Vor der Arie „E lucevan le stelle“ spielen vier Solo-Celli . Geht dieser Kontrast von Soli und Tutti nicht verloren, wenn im Graben ohnehin nur vier Celli Platz haben?
Das passt doch gut! Den fehlenden Kontrast bemerkt man nicht so stark. Ich habe das Stück in Leipzig einstudiert, wo es einen sehr großen Graben gibt, und wir hatten vielleicht fünf oder sechs Celli, das war auch nicht ein so großer Unterschied. In der Besetzung, in der wir immer spielen, kriegen wir alle Musiker im Graben unter, wir müssen die Besetzung nicht verkleinern, so dass die Musiker nicht sagen würden, es ist so eng, wir können uns nicht bewegen.

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