„Aida'“ im Ägyptischen Museum

Andreas Wiedermann und Ernst Bartmann bringen mit ihrer Truppe Opera Incognita Giuseppe Verdis „Aida“ ins Ägyptische Museum

Am Anfang ist nur eine lange graue Wand. Die Zuschauer werden vom Foyer des Museums Ägyptischer Kunst nicht in die Schauräume mit den Objekten gebeten, sondern in eine für Sonderausstellungen genutzte Halle. Und da ist nichts, nur Sichtbeton, mehrere Reihen Stühle für die Zuschauer quer über den Raum und ein Eck für das solistisch besetzte Orchester aus 13 Musikern unter dem Dirigenten Ernst Bartmann.

Kann man so Giuseppe Verdis „Aida“ aufführen, keine vier Meter vor den Zuschauern in der ersten Reihe? Es geht. Und zwar nicht schlecht. Das wird spätestens dann zur Gewissheit, wenn Anton Klotzner als Radamès mit heldischem Tenor hochachtbar seine Geliebte besungen und der 36-köpfige Chor sich dazu zum Flachrelief formiert hat.

Es kommt darauf an, was man aus Beton macht

Der Regisseur Andreas Wiedermann sucht sich jedes Jahr um diese Zeit mit seiner freien Truppe Opera Incognita in München eine ungewöhnliche Spielstätte. Das Ägyptische Museum liegt bei einer am Nil spielenden Oper natürlich nahe. Der kahle Keller erzählt eine ganze Menge: Er ist ohne jede Zutat bereits Macht-Architektur, Gruft und Wüste. Mehr braucht man für diese Fest- und Repräsentationsoper nicht, wenn man auf ihren doppelten Boden abzielt.

Lesen Sie auch unser Interview mit dem Regisseur Andreas Wiedermann

Und das macht Wiedermann. Den Triumph-Akt mit dem berühmten Marsch inszeniert er ganz aus der Perspektive der unterlegenen Äthiopier. Die Ballette und einige Chöre fallen weg, aber das Riesenensemble am Schluss des zweiten Akts bleibt erhalten. Da, und bei den patriotischen Kriegsgesängen des ersten Akts, ist die Aufführung erheblich lauter wie eine „Aida“ in der Arena di Verona. Dass die Musik dem Hörer auf die Haut rückt, ist aber bei dieser Oper im Interesse der Botschaft.

Quelle: Lesen Sie Vollen Artikel